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Wissenschaft im Dienste von Staats- und Geldmacht: Hochschulreform als Standortressource

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Wissenschaft im Dienste von Staats- und Geldmacht: Hochschulreform als Standortressource




Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken an der Technischen Universität Chemnitz (2008)

Gliederung:

1.
Bildung ist ein Mittel für den Erfolg der nationalen Kapitale in der internationalen Konkurrenz. Zu diesem Zweck wird das Bildungssystem auch schon mal reformiert. Und in diesem Sinne sind die Studierenden nichts anderes als funktionelles Material für den "Standort Deutschland".

2.
Wie taugt Hochschulwissen als Instrument für die Standortkonkurrenz? Nicht Richtigkeit, sondern Brauchbarkeit für Staat und Ãkonomie ist das Kriterium bei der Vermittlung und Anwendung von Wissen.

3.
In der Naturwissenschaft fallen Richtigkeit und Brauchbarkeit zwar nicht auseinander. Zur Anwendung kommen naturwissenschaftliche Erkenntnisse in der Marktwirtschaft allerdings nur unter der MaÃgabe, dass sie einem Geldgeber finden (Staat, Kapital), der einen Nutzen aus ihnen zieht. Andernfalls unterbleibt ihre Anwendung - ganz gleich wie groà der Segen für die Menschheit wäre.

4.
Bei den Geisteswissenschaften ist gerade das brauchbar was nicht richtig ist. Die Versorgung der Gesellschaft mit geisteswissenschaftlichen Theorien ist Konjunkturabhängig und hat nicht die Aufklärung über einen bestimmten Sachverhalt zur Aufgabe, sondern die Rechtfertigung des jeweiligen politischen Programms.

5.
Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird das Schulprinzip "gelernt wird, was geprüft wird" zum universitären Standardprinzip. Die Studierenden müssen sich dadurch die Gleichgültigkeit gegenüber dem Stoff zu ihrer Eigenschaft machen, wenn sie den begehrten Abschluss erlangen wollen.

6.
Was sind jetzt die Zwecke der Hochschulreform?

6.1 Verkürzung der Studienzeit
Kürzere Ausbildungszeit heiÃt weniger Kosten pro Student, längere Verfügbarkeit der Absolventen für den Arbeitsmarkt, Senkung der Einkünfte von Akademikern.

6.2 Brauchbarkeit
Nur Wissen, das auch für die spätere Praxis brauchbar ist, soll dem Studenten vermittelt werden. Hierin hat auch die Verrücktheit des "Methodenlernens" ihren Grund.

6.3 Flexibilität und Mobilität
Universelle Verfügbarkeit der Absolventen für den europäischen Arbeitsmarkt.

7. Die Hochschulreform ist lediglich eine Radikalisierung für den Zweck den die staatliche Hochschulausbildung sowieso schon immer hatte.


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Source: http://www.ideologiekritik.net